Gelsenkirchen, 24.9.2011 | Christoph Giese stellt vor, was an neuen CD's von Trompetern bei ihm im Breifkasten lagen ist. Dabei für Viele wieder einmal sehr interessante Neuigkeiten. Auch hier gilt unsere Warnung vor diesem Beitrag. Er könnte teuer werden :-).
+ Nils Petter Molvaer:
Seit mittlerweile 15 Jahren mischt Nils Petter Molvaer mit seinem ätherischen Trompetensound die Jazzszene auf. „Baboon Moon“ (Columbia/Sony) ist die erste CD des Trompeters mit seinem neuen Trio. Vor allem Gitarrist Stian Westerhus, der das Album auch produziert hat, ist eine absolute Bereicherung und Erweiterung des düster-elektronischen Klangspektrums Molvaers, der seine aktuelle Musik selbst als freien, schwarzen Prog-Rock bezeichnet. Das Nils Petter Molvaer Trio serviert seinen brodelnden Soundkosmos live am 19.10. im Dortmunder „domicil“ und am 28.11. im Kölner Stadtgarten.
+ Ryan Carniaux:
Ryan Carniaux hat es 2003 der Liebe wegen aus Amerika nach Europa gezogen. Inzwischen lebt der New Yorker Trompeter in Köln. Sein Debütalbum „Reflections Of a Perservering Spirit“ (hipjazz/Galileo MC) hat er im Studio des Vibrafonisten Wolfgang Lackerschmid aufgenommen, der hier auch zu seinen Klöppeln greift. Herausgekommen ist eine warme, melodische, oft sanft schwingende Platte voller wunderschöner, lyrischer Eigenkompositionen, die aber auch mal mit Schwung nach vorne preschen können.
+ Lorenz Raab:xy band
Der österreichische Pustefix Lorenz Raab fährt da auf seiner zweiten CD „Hyperdrive“ (Jazz´n´Arts/in-akustik) schon schärfere Geschütze auf. In seiner „:xy band“ wirbeln zwei Kontrabässe, ein Schlagzeug und eine elektronisch verstärkte Zither! Treibende Grooves, krumme Takte, wildes Spiel aller Beteiligten, Funk, Metal, Drum & Bass, Experimentelles – der Solotrompeter der Wiener Volkoper kocht hier mit seinen Jungs ein jederzeit heißes Musiksüppchen.
+ Joo Kraus & Tales In Tones Trio
Das Projekt „Painting Pop“(edel:Content/edel:Kultur) von Joo Kraus und seinem Tales In Tones-Trio war schon für 2009 geplant und fast fertig. Doch dann starb der „King of Pop“ und der Trompeter kreierte spontan das wunderbare Album „Songs From Neverland“, mit seinen ganz persönlichen Sichtweisen auf die Klassiker von Michael Jackson. Neun weitere Jackson-Songs finden sich bei „Painting Pop“ auf der Bonus-CD „More Songs from Neverland“. Im Mittelpunkt aber steht die „Painting Pop“-CD selbst mit zehn verwandelten Popklassikern. Und alle haben sie was. Sades „Smooth Operator“ als lässiges Swingstück mit Spoken Words von Joo Kraus, Nenas „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“ als zart groovende, verspielte Instrumentalnummer, Simply Reds „If You Don´t Know Me By Now“ als leicht geheimnisvolle Ballade oder George McCraes „Rock Your Baby“ als rhythmisch feuriger Jazz mit Rapeinlage.
+ Sven Bergmann Quartett
Der Namensgeber dieser Viererbande ist zwar Pianist und der Autor aller zehn Stücke von „Seasons“ (Wunderbar/Bogner), der ersten Veröffentlichung des neuen Bochumer Labels „Wunderbar Records“, aber der Brite Tom Arthurs prägt diese Einspielung doch sehr mit seinem Spiel auf Trompete und Flügelhorn. Vielschichtig bläst der Trompeter in den ebenso vielseitigen Stücken, die mal sperrig und suchend wirken, dann wieder locker swingen oder grooven. Dann strahlt die Trompete und Pianist Sven Bergmann, der in Herten geborene Stefan Werni am Kontrabass und US-Drummer Bill Elgart verwöhnen mit ihrem feinen eigenen Modern Jazz. Am 4.November findet in "Die alte Druckerei 1926" das CD-Release-Konzert statt.
+ Tom Harrell
Wer ihn mal live auf einer Bühne erlebt hat, den amerikanischen Trompeter, der weiß, wie dieser Mann unter seiner Schizophrenie leiden muss. Dann steht er da dem Geschehen scheinbar entrückt mit gesenktem Kopf und geht auch schon mal nach hinten auf die Bühne und starrt vor die Wand. Aber sobald Tom Harrell seine Trompete an die Lippen setzt, ist man fasziniert vom Spiel von dem inzwischen 65-Jährigen, von dem weichen, wundervoll geschmeidigen Ton seines Instruments, von der Intonation. Mit seiner Band, die mit dem Saxofonisten Wayne Escoffery eine weitere markante Stimme aufweist, brilliert Tom Harrell auf „The Time Of the Sun“ (High Note/ZYX) mit seinem feinen, groovenden Post-Bop in jeder Minute.
Text: cg



